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Zuchtwert-Schätzung, was ist
das?
Wie wir wissen, vererben Tiere nicht immer so wie sie aussehen, der Phänotyp
entspricht also nicht dem Genotyp. Das bedeutet, dass ein gesunder Hund
nicht immer nur gesunde Nachkommen hat und aus zwei Champions nicht nur
Champions hervorgehen.
Obwohl wir wissen, dass die Vererbung der Zuchttiere anders ist als ihre
Eigenleistung, beruhen unsere Zuchtvorschriften immer noch auf den Eigenleistungen
der Tiere und nicht darauf, was sie wahrscheinlich vererben werden. Bisher
haben wir nur den Zuchtrüden und die Zuchthündin selbst betrachtet.
Aber dank Computertechnik haben wir heute die Möglichkeit mehr über
die wahrscheinliche Vererbung der Zuchttiere herauszufinden.
Definition des Zuchtwertes
Als Züchter brauchen wir eine Zahl, die uns sagt, wie ausgeprägt
bestimmte Merkmale in der Nachzucht sein werden. Diese Zahl wird Zuchtwert
genannt. Es gibt also für jedes Merkmal einen phänotypischen
Messwert (z.B. HD-Grade) und einen genetischen Zuchtwert.
Der Zuchtwert beschreibt welche Wirkung die Gene eines Tieres unter normalen
Umwelt-bedingungen auf ein Merkmal haben, wenn diese mit Genen der restlichen
Population kombiniert werden.
Der Zuchtwert ist ein Zahlenwert mit beschreibender Aussage: wirken die
Gene für ein bestimmtes Merkmal verstärkend oder abschwächend?
Bei Krankheiten zeigen hohe Zuchtwerte eine Verstärkung der Krankheitsanlage
an, was als unerwünscht anzusehen ist. Das Ziel jedes Züchters
ist es, Zuchttiere einzusetzen, deren Nachkommen eine verminderte Krankheitsanfälligkeit
zeigen. Eine tiefe Zahl, das heisst ein tiefer Zuchtwert, ist in diesem
Fall wertvoll. Bei anderen Merkmalen, z.B. Schusssicherheit, wünscht
man hohe Zuchtwerte, also Nachkommen mit überdurchschnittlichen Anlagen.
Eine hohe Zahl, das heisst ein hoher Zuchtwert, ist in diesem Fall wertvoll.
Zuchtwerte werden als relative Zahlen, im Vergleich mit dem Rassedurchschnitt
verstanden. Die Zahl 100 steht für das rassetypische Niveau. Hunde
mit Werten über 100 verstärken, Hunde unter 100 reduzieren ein
Merkmal. Wenn also ein Hund für HD den Zuchtwert 90 hat weiss man,
dass er die Rasse bezüglich dieses Merkmals verbessern kann, ein
Hund mit 110 verstärkt die HD Probleme.
Warum ist die Zuchtwertermittlung nur eine Schätzung?
Vater und Mutter vererben jeweils die Hälfte ihrer Gene an die Welpen.
Die Wirkung dieser Gene wird durch den Zuchtwert beschrieben. Der geschätzte
Zuchtwert der Welpen ist demzufolge 1/2 Vater-Zuchtwert plus 1/2 Mutter-Zuchtwert.
Je besser die Zuchtwerte der Eltern sind, um so besser ist der wahrscheinliche
Zuchtwert der Nachkommen.
Alle Welpen eines Wurfes haben dieselben Eltern. Da aber nicht jeder Welpe
dieselben Hälften aus dem väterlichen und mütterlichen
Genom erhält, unterscheiden sich Vollgeschwister teilweise genetisch
stark. Ob nun ein Einzeltier mehr positive oder negative Gene erhalten
hat, kann nur durch Messung der Eigenleistung abgeschätzt werden,
also im Fall von HD, wenn die Tiere HD geröntgt werden. Diese Eigenleistung
ergänzt die aus der Abstammung vorliegenden Erkenntnisse. Je nach
Erblichkeit des Merkmals kann dieser Eigenwert den Zuchtwert mehr oder
weniger deutlich beeinflussen.
Werden Vollgeschwister eines Tieres untersucht, ergänzen diese Aussagen
den Zuchtwert eines Tieres, aber auch denjenigen seiner Eltern. Zuchtwerte
können sich also nach der Eigenbewertung dauernd verändern,
auch wenn ein Hund selbst nicht in der Zucht eingesetzt wird.
Wenn das Tier in die Zucht kommt, werden mit der Zeit auch seine Nachkommen
geprüft. Mit jedem geprüften
Nachkommen steigt das Wissen über seinen Zuchtwert. Die Schätzwerte
pendeln sich auf das Niveau des wahren Zuchtwertes ein. Zusammenfassend
gesagt setzt sich ein Zuchtwert eines Tieres folgendermassen zusammen:
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Geschätzter Zuchtwert der Elterntiere |
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Nachkommen aus früheren Würfen der Elterntiere |
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Eigenleistung des betreffenden Tieres |
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Geschwister des betreffenden Tieres |
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Nachkommen des betreffenden Tieres. |
Erkenntnis Zuchtwerte
müssen zu jedem beliebigen Zeitpunkt verfügbar sein, d.h. alle
verfügbaren Informationen müssen jederzeit verarbeitet werden,
um die Erkenntnisse zu einem geschätzten Zuchtwert zusammen zu bringen.
Der geschätzte Zuchtwert gibt das wahrscheinlichste Vererbungsniveau
nach den momentan bekannten Erkenntnissen wieder. Natürlich kommen
im Verlauf der Zeit ständig neue Erkenntnisse dazu, daher ändert
sich der geschätzte Zuchtwert eines Tieres ständig.
Je mehr Daten man also zur Verfügung hat, desto genauer kann ein Zuchtwert
geschätzt werden und desto besser weiss man über die zu erwartenden
Eigenschaften der Welpen Bescheid.
Es liegt also im Interesse jedes Züchters, so viele Tiere wie möglich
untersuchen zu lassen und so mehr Erkenntnisse über die genetische
Veranlagung seiner Tiere zu gewinnen. Anspruch
Die Zuchtwert-Schätzung erhebt nicht den Anspruch, die Wahrheit über
◊die Gene“ zu dokumentieren. Die vorausgehenden Ausführungen
sollten dies zeigen. Aber sie soll «Signal» für die Züchtung
sein und Hinweise geben, wo gute oder ungünstige Gene sein könnten.
Diese Signale braucht der Züchter dringend. Er muss seine Zucht aus
den besten Familien aufbauen und alle Hinweise auf Probleme aufnehmen,
sei es in Bezug auf die gesundheitlichen Faktoren, oder zu gegebener Zeit,
in Bezug auf Wesen und Veranlagung.
Wie der Zuchtwert im Genauen berechnet wird ist für uns nicht relevant.
All diese Daten können nur durch spezialisierte Statistiker und leistungsfähige
Computer verwertet werden; es ist ein mathematisches Vorgehen.
Für Züchter und Rasseclubs relevant ist die Zuchwertzahl jedes
Tieres. Diese Zahl hilft uns Paarungen so zu planen, dass die zu erwartenden
Welpen einen möglichst guten Wert aufweisen. Dadurch kann eine effektive
Verbesserung der Rasse bezüglich der in die Zuchtwert-Schätzung
einbezogenen Merkmale erreicht werden. |